Reykjavik ist nicht nur die nördlichste Hauptstadt der Welt, sie ist auch
eine der jüngsten, denn sie wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts gegründet.
Reykjavik bietet alles, was eine moderne europäische Stadt ausmacht und hat
darüber hinaus eine interessante Altstadt, getünchte Holzhäuser und in allen
möglichen grellen Farben angestrichene Gebäude aus Beton. Die meisten
Sehenswürdigkeiten sind vom alten Stadtkern aus zu Fuß erreichbar.
Die Altstadt beschränkt sich auf ein kleines Gebiet zwischen Tjörnin und Meer.
Hier befindet sich der Platz Austurvöllur mit der Statue von Jón Sigurdhsson, dem
Vorkämpfer des unabhängigen Island, das in grauem Basalt gehaltene Parlamentsgebäude
Althing (1881) und links davon die lutherische Dómkirkja (1796), Sitz des Bischofs
von Island. In der Adalstræti-Straße liegt Fógetinn, das älteste Gebäude der Stadt
von 1751, schräg gegenüber der neu gestaltete Ingólfstorg mit dampfenden
Basaltsäulen zum Gedenken an den ersten Siedle Vom Ingólfstorg zweigt die
Austurstræti ab. Am nahe gelegenen Busbahnhof Lækjartorg befindet sich
Stjórnarrádhidh, 1765 von den Dänen als Gefängnis errichtet, heute Sitz des
Premierministers. Bergan mündet die Bankastræti in den Laugavegur, die wichtigste
Einkaufstrasse der Stadt. Idealer Start für einen Stadtrundgang ist die ganz
Reykjavik überragende Hallgrímskirkja, Die Kirche wurde von 1945 bis 1986 erbaut und
ist das Wahrzeichen der Stadt. Vom 73 m hohen Turm hat man eine schöne Aussicht über
Stadt und Meer. Der Architekt Gudhjón Samúelsson hat das neogotische Bauwerk nach
dem Vorbild mittelalterlicher Kirchenbaukunst geschaffen. Vor dem Portal steht die
Statue von Leifur Eiríksson, der im Jahre 1000 Amerika entdeckt haben soll.
Unmittelbar neben der monströsen Kirche befindet sich das Museum von Einar Jónsson,
einem isländischen Bildhauer.
Der See Tjörnin mitten in der Stadt ist ein bedeutendes Vogelschutzgebiet.
Auffällig ist das 1992 am Nordwestufer eingeweihte, auf Säulen stehende Rathaus mit
der sehenswerten Reliefkarte des Landes im Erdgeschoss. Am Uferweg Fríkirkjuvegur
unterhalb der Hallgrímskirkja befindet sich Listasafn Íslands, die Nationalgalerie
für moderne Kunst.
Thjódhminjasafnidh, das Nationalmuseum Islands, zeigt einen Großteil des
isländischen Kulturgutes und gibt einen Überblick über die Siedlungsgeschichte bis
ins 19. Jahrhundert; Schwerpunkt sind Archäologie, Kunsthandwerk (Textil, Holz,
Metall) sowie sakrale Kunst.
In der angrenzenden Universität sind im Handschrifteninstitut Árna Stofnun
Magnússonar mittelalterliche Pergamenthandschriften ausgestellt.
Günstige Übernachtungsmöglichkeiten, preiswertes Essen und gute Geschäfte findet man in der Altstadt bzw. direkt östlich davon. Auch
Unterhaltung wird dem Besucher reichlich geboten, von Kino (Filme in der
Originalversion mit isländischen Untertiteln) über Kultur (Theater, Oper, Klassik
und Tanz) bis hin zu Shows mit verschiedenen Themen (Sagen, Besiedlung, Wikinger).
Runtur ist so etwas wie eine Reykjaviker Institution: Bierselig stolpern vor
allem Jugendliche von einer angesagten Bar, Kneipe oder Disko in die nächste, um
auch nichts zu verpassen.
Etwa 7 km außerhalb von Reykjavik in Richtung Osten liegt das sehenswerte
Freilichtmuseum Árbær. Rund um den bis 1948 bewohnten Torfhof aus Grassoden und
Torf, über Jahrhunderte die typische isländische Bauweise, wurden Wohn- und
Handwerkshäuser aus dem Reykjavik des 19. Jahrhunderts wieder aufgebaut. Das älteste
Haus ist eine Schmiede von 1820. Ebenfalls besichtigen kann man die Torfkirche
Silfrastadhir von 1842.
Das Laugardalur, das Tal der warmen Quellen, liegt 3 km außerhalb der
Stadtmitte Reykjaviks. Bis Anfang dieses Jahrhunderts wuschen die Frauen Reykjaviks
hier vor den Toren der Stadt ihre Wäsche. Hier gibt es einen Zeltplatz, eine
Jugendherberge und ein großes Freibad. Außerdem kann man den Botanischen Garten, den
Zoo und den Skulpturengarten samt Museum des Bildhauers Ásmundur Sveinsson (1893 bis
1982) besichtigen. Aus zahlreichen Bohrlöchern wird heißes Wasser aus dem Erdinnern
gefördert, mit dem u. a. die Rasenheizung im Fußballstadion betrieben wird.
Von Reykjavik aus kann man schöne Ausflüge auf die Halbinsel Reykjanes nach
Hafnarfjördhur und zur Blauen Lagune machen. Da Reykjavik mit näherer Umgebung das
größte Angebot an Übernachtungsmöglichkeiten aufweist, eignet sich die Hauptstadt
besonders gut als Ausgangspunkt für Tagesausflüge, die man sich dann je nach
Wetterlage einplanen kann.