Jahrhunderte lang wurde nur die Volksdichtung gepflegt.
Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts stand Norwegen, das politisch ein Teil des
dänischen Reiches war und das Dänische als Schriftsprache pflegte, im Bann der
dänischen Literatur. Nach der Trennung von Dänemark 1814 fanden die Ideen der nationalen Romantik starken Widerhall.
Aus romantischen Bestrebungen heraus sind die Märchensammlungen von P. Ch.
Asbjørnsen und die Begründung einer eigenen norwegischen Schriftsprache durch J.
Aasen zu erklären. H. Ibsen und B. Bjornson wandten sich nach romantischen Anfängen
der Gegenwart zu. Ibsen verlieh mit seinen Gesellschaftsstücken dem europäischen
Drama die stärksten Impulse und führte die norwegische Literatur zu Weltruhm.
Im 20. Jahrhundert standen die großen Erzähler im Vordergrund. Bewusst wurde
das Vorbild der Saga aufgesucht. Die radikale, intellektuelle Jugend der 1930er
Jahre fand ihre stärksten Vertreter in S. Hoel, N. Grieg und R. Rangen. Nach dem 2.
Weltkrieg hielten literarische Zeugnisse von Gefangenschaft und Widerstand die
Öffentlichkeit in Bann. Auch in neuester Zeit beherrschten einige überragende
Erzähler das Feld: T. Vesaas, C. Sandel, J. Borgen und T. Obrestad. Heute ist z. B.
Johan Bojer ein bekannter Autor für Reiseromane; sein Buch über die Fischer auf den
Lofoten wurde in mehrere Sprachen übersetzt.